Im Fokus:
Ein Tag in der Schlachttieruntersuchung
Jeden Tag werden im Schlachthof Basel, dem zweitgrössten Schweineschlachthof der Schweiz, bis zu 2900 Schweine geschlachtet. Das Team der Fleischkontrolle überwacht diese Schlachtungen. Während der gesamten Anlieferungszeit der Schlachttiere ist eine amtliche Tierärztin oder Tierarzt vor Ort und führt die Schlachttieruntersuchung durch. Sie beurteilen dabei die allgemeine Gesundheit der Tiere im Lebendzustand sowie den Tierschutz im Herkunftsbetrieb, ebenso den Eindruck jeden Tieres vom Transport zum Schlachthof während dem Entladen.
04:30 Uhr: Dienstbeginn


Die Arbeit als amtliche Tierärztin oder amtlicher Tierarzt im Fachbereich Fleischkontrolle ist etwas für Frühaufsteher. Der Dienst findet im Aussenbereich statt: im Sommer heiss und stickig, im Winter bei Minustemperaturen. Die Dienstzeit von etwa 10 Stunden findet für die Mitarbeitenden, die für die Schlachttieruntersuchung eingeteilt sind, mehrheitlich an der Anlieferungsrampe und in den angrenzenden Tierstallungen statt. Zugluft, Nässe und Minusgrade im Winter sind an der Anlieferungsrampe üblich und erfordern deshalb eine robuste Gesundheit.
Es ist noch dunkel. Die ersten Tiertransportfahrzeuge warten schon auf dem Hof, um ihre Tiere abladen zu können. Es ist eindrücklich still: Viele der Tiere schlafen auf den Lastwagen, nur vereinzelt ist ein leises Grunzen zu hören. Und auch die Schlachthofmitarbeitenden bereiten ihr Tagwerk aus Rücksicht auf die ruhenden Tiere ohne hektische Betriebsamkeit vor.
Dann geht es los. Die ersten Fahrzeuge dürfen an die Ausladerampe fahren, und die ersten Tiere werden von den Fahrerinnen und Fahrern ruhig, aber bestimmt aus den Lastwagen herausgetrieben. Meist laufen die zuvor noch dösenden Tiere plötzlich wach und schnell in Gruppen aus dem Fahrzeug.
Die Tierärztin oder der Tierarzt ist nun gefordert. Es benötigt Erfahrung und Konzentration, um in der bewegten Menge auch schon kleine Abweichungen zu erkennen. Gleichzeitig sind die Begleitdokumente der Tiere zu prüfen, zum Beispiel ob dort Krankheiten, Verletzungen oder der Einsatz von Arzneimitteln durch den Tierbesitzer schriftlich vermerkt wurden.
Einerseits wird bei den Tieren auf Veränderungen geachtet, welche das Tierwohl im Herkunftsbetrieb und/oder während des Transportes in den Schlachthof negativ beeinflusst haben könnten. Andererseits sind auch Aspekte zu beachten, die sich negativ auf die Lebensmittelqualität auswirken können. Abweichungen werden so notiert, dass sie der jeweiligen Tierhaltung zugeordnet werden können, aus der die Tiere stammen.
«Das Team der Fleischkontrolle besteht aus
18 Mitarbeitenden, davon vier Tierärztinnen und Tierärzte.
Das Team überwacht die kontinuierliche Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben im Rahmen der Fleisch- und Schlachttieruntersuchung.
05:15 Uhr: Tötung an der Rampe
Je nach Schwere der festgestellten Veränderung müssen Massnahmen zuweilen umgehend ergriffen werden. Selten kommt es vor, dass ein Tier nicht mehr gehfähig ist und das Transportfahrzeug nicht aus eigener Kraft verlassen kann. Häufig handelt es sich dabei um ein lahmes Tier oder eines, das eine Kreislaufschwäche erlitten hat. Ein solches Tier muss vor Ort mittels Bolzenschussgerät betäubt und direkt entblutet werden. Im Anschluss wird dieses regulär geschlachtet und ist meistens genusstauglich.
Handelt es sich um eine schlimmere oder eine länger bestehende Veränderung, kann dies Konsequenzen sowohl für den Transporteur als auch für die tierhaltende Person haben.
Wenn sich ein Nutztier verletzt, stellt die Schlachtung grundsätzlich eine Option dar, um dem Tier weiteres Leiden zu ersparen. Wird damit aber zu lange gewartet, macht sich die tierhaltende Person strafbar. Auch sind Vorkehrungen zu treffen, dass das Tier den Transport ohne Verschlimmerung seines Zustandes übersteht.
05:30 Uhr: Dokumentation eines Tierschutzfalles
Bei leichten Fällen leitet die amtliche Tierärztin oder der amtliche Tierarzt kostenpflichtige Verwaltungsmassnahmen ein. Handelt es sich um einen schweren Fall, muss sowohl die tierhaltende Person als auch unter Umständen der Transporteur oder die Transporteurin mit einer Strafanzeige rechnen.
In beiden Fällen ist es wichtig, dass die amtlichen Tierärztinnen und Tierärzte bei der Erhebung der Beweismittel eine lückenlose und detaillierte Dokumentation inklusive Fotos und Videos durchführen.
Im Nachgang muss der Tatbestand so beschrieben werden, dass dieser auch für die Staatsanwaltschaft und die Empfänger des Schreibens verständlich und nachvollziehbar ist. Die Falldokumentierung, das Verfassen der Schreiben sowie die weiteren administrativen Schritte sind in solchen Fällen sehr zeitaufwändig.
Das Team Fleischkontrolle hat im Jahr 2025 insgesamt neun Strafanzeigen und 19 kostenpflichtige Verfügungen verfasst.
07:10 Uhr: Abstecher zur Rinderschlachtung
Im Rahmen der Lehrlingsausbildung für Metzger werden in einem separaten Gebäude noch einige wenige Tiere der Rindergattung geschlachtet. Meist handelt es sich um mehrere Kälber und zwei bis drei ausgewachsene Rinder.
Auch hier muss die Schlachttieruntersuchung erfolgen. Neben der Prüfung von allfälligen Anzeichen auf Abweichungen von Tiergesundheit oder Tierschutz, erfolgt hier zusätzlich eine so genannte Nämlichkeitsprüfung anhand der Ohrmarken: Bei jedem Tier ist auf Einzeltierebene eine Rückverfolgbarkeit bis zum Geburtsbetrieb möglich.
09:40 Uhr: Dateneingabe
Sehr engmaschig werden auch niederschwellige Abweichungen vermerkt. Dazu zählen verheilte Fälle von Schwanzbeissen, leichtgradige Lahmheiten oder eine übermässige Verschmutzung der Schweine.
Alle Befunde müssen parallel zur eigentlichen Schlachttieruntersuchung zeitnah in das Schlachthofsystem eingespeist werden.
Mittels eingerichteter IT-Schnittstelle aus dem Schlachthofsystem werden sowohl die Befunde aus der Schlacht- als auch aus der Fleischuntersuchung direkt in das Bundessystem Fleko (Fleischkontrolldatenbank) übermittelt. Die gesammelten Daten erlauben wertvolle Rückschlüsse zu Tiergesundheits- und Tierschutzaspekten, sowohl auf Ebene der einzelnen Tierhaltung als auch gesamthaft in der gesamten schweizerischen Schweinepopulation.
10:05 Uhr: Entsorgung tierischer Nebenprodukte
Zu den Aufgaben der Fleischkontrolle gehört es auch, nicht genusstaugliche Bestandteile von den Schlachttierkörpern und den Organen zu entfernen. Hierbei kann es sich um potenziell gesundheitsgefährdende handeln, oder auch um ekelerregende Veränderungen (Abszesse).
Ein Grossteil dieses anfallenden Materials mit einem Volumen mehrerer Tonnen wird in einem ausgewiesenen Bereich in der Nähe der Stallungen gesammelt. Da von diesen Nebenprodukten ein Gesundheitsrisiko ausgehen kann, muss auch die Lagerung und vor allem die korrekte Entsorgung kontrolliert werden.
Diese Kontrollen führt die amtliche Tierärztin oder der amtliche Tierarzt in der Regel dann durch, wenn keine Schlachttiere abgeladen werden. Auch wenn diese tierischen Nebenprodukte täglich entsorgt werden, ist eine Geruchsentwicklung, insbesondere im Sommer, normal. Die Inspektion dieses Bereiches gehört somit nicht zu einer der angenehmsten Kontrolltätigkeiten.
11:25 Uhr: Transportkontrolle
Wie eingangs erwähnt, liegt auch die Überwachung der Tiertransporte in der Verantwortung der amtlichen Tierärztin oder des amtlichen Tierarztes.
Kontrolliert wird unter anderem: Haben die geladenen Schweine ausreichend Platz? Ist genug Einstreu vorhanden? Wurde die maximal erlaubte Transportzeit eingehalten? Wird das Fahrzeug nach dem Abladen konform gereinigt?
Da die meisten Tiere durch gewerbliche Transportfirmen angeliefert werden, gibt es hier glücklicherweise nur selten etwas zu bemängeln. Die Fahrerinnen und Fahrer solcher spezialisierter Transportfirmen sind für die Durchführung von Tiertransporten ausgebildet. Zudem ist es den meisten ein grosses Anliegen, ihre Arbeit korrekt und im Sinne des Tierwohles auszuführen.
13:30 Uhr: Rundgang durch die Stallungen, Dienstende und Fazit
Nach Ende der Tieranlieferung gilt es noch die letzten Arbeiten abzuschliessen. In der Regel administrative Tätigkeiten, die im Büro und endlich sitzend erledigt werden können. Nach 14 Uhr ist der gut zehnstündige Dienst in der Regel beendet und der Feierabend kann beginnen.
Fazit
Auch im Schlachtbetrieb muss dem Tierwohl Rechnung getragen werden. Bevor die Schweine geschlachtet werden, werden sie in Gruppen oft nochmals sogenannt aufgestallt. In den Stallungen kommen die Tiere zur Ruhe; viele legen sich hin, um zu schlafen.
Das Team der Fleischkontrolle prüft auch hier, ob den Tieren in den Wartebuchten ausreichend Platz zur Verfügung steht, ob alle Tiere Zugang zu den Wassertränken haben und der Umgang des Schlachthofpersonals mit den Tieren schonend und ruhig erfolgt. Natürlich werden auch die korrekte Betäubung, die der Betrieb sicherstellen muss, sowie die anschliessende Tötung durch Blutentzug am betäubten Tier regelmässig kontrolliert.
Empathie ist Pflicht! Wenn eine Tierärztin oder ein Tierarzt kein Mitgefühl für die Tiere am Schlachthof aufbringen kann, ist sie oder er nicht dazu geeignet, diese verantwortungsvolle Tätigkeit korrekt auszuüben. Die Möglichkeit, einen konkreten, positiven Einfluss auf das Tierwohl bis zum Lebensende des Tiers auszuüben, ist deshalb auch einer der Hauptmotivatoren für die hier tätigen Mitarbeitenden der Fleischkontrolle.
«Auch im Schlachtbetrieb muss dem Tierwohl Rechnung getragen werden. Bis zum Lebensende des Tieres
einen positiven Einfluss auf das Tierwohl auszuüben,
ist einer der Hauptmotivatoren für die Mitarbeitenden der Fleischkontrolle.




